Großwerther

Die Entstehung der Kirche St. Nicolai zu Großwerther, der größten Kirche unseres Pfarrbereiches, geht wahrscheinlich in die Christianisierung der Gegend zurück. Die ältesten Teile sind das Kirchenschiff und der Unterbau des Turmes. Beide wurden aus Steinen der Umgebung gefertigt. Die Mauerstärken betragen z.T. 1,60 -2 m. Am Mauerwerk des Kirchenschiffes sind noch zugemauerte Rundbogenfenster und andere Rundbögen zu sehen. Sie zeigen an, dass die Kirche in früheren Zeiten als Wehrkirche diente. Im 30jährigen Krieg ist die Kirche zum Teil abgebrannt. Sie wurde auf den Mauerresten wiederaufgebaut. Dabei erhielt sie einen vergrößerten Altarraum und einen neuen Turm mit barocker Haube und achteckiger Laterne. Die vergoldete Turmspitze wird durch eine Tonne, eine darüber liegende Wetterfahne mit aufgesetzter Krone und einem Stern gebildet. Der Eingang zum Kirchenschiff befindet sich in der Turmseite. Der Zugang zum Turm und zu den Emporen ist nur über einen hölzernen äußeren Treppenaufgang erreichbar. Im Turm befinden sich drei Glockenstühle, von denen nur noch einer besetzt ist. Die zwei großen Glocken wurden 1942 abtransportiert und zur Metallgewinnung eingeschmolzen. Die heute noch vorhandene Glocke stammt aus dem Jahr 1933.. Seit 1987 wird die Glocke elektrisch angetrieben. Im Turm befindet sich noch eine alte Turmuhr, deren restauriertes Ziffernblatt an der Turmaußenseite weithin leuchtet. Im Inneren des Kirchenschiffes sind zwei Emporen eingebaut. Die Orgel befindet sich auf der ersten Empore. Sie besitzt 2 Manuale und ein Pedal und verfügt über 16 Register und 2 Hilfsregister. 800 Pfeifen aus Holz und Zinn können zum Erklingen gebracht werden Der Erbauer der Orgel ist unbekannt. Die Orgel ist heute noch bespielbar und erklingt unregelmäßig im Gottesdienst und in Konzerten. Im großen Altarraum steht der steinerne Altar. Zwei schwarze Marmorsäulen umrahmen ein Ölgemälde, das das Abendmahl zeigt. Zwei Marmorpodeste tragen die Säulen. Die linke trägt die Inschrift: “Besetzt im Jahr nach Chri Gebuhrt“, die rechte „1655 am zehnden April. Der Altaraufbau wird rechts und links von Alabasterverzierungen eingerahmt. Aufgesetzt auf den Altar ist die Kanzel. An der Vorderseite der Kanzel befinden sich die Familienwappen der langzeitigen Kirchenpatrone, der Familie von Arnstedt, die 1613- 1918 auf dem Rittergut ansässig waren. An der Südseite des Altarraumes befindet sich der ehemalige Patronatsstand, über dem sich wiederum das Arnstedtsche Wappen befindet. An der Nordseite des Altarraumes ehrt eine angebrachte Gedächtnistafel die 42 im 1 Weltkrieg gefallenen Söhne des Ortes. Unterhalb davon ist eine gegossene Tafel für zwei Gefallene des Krieges von 1871 angebracht.

An der Stirnseite des Altarraumes befinden sich drei bleiverglaste bunte gleich große Fenster. Die beiden äußeren zeigen je einen betenden Jünger. Das mittlere Fenster stellt  Jesus Christus mit einem Buch dar. Auf den aufgeschlagenen Buchseiten sind die griechischen Buchstaben Alpha und Omega zu lesen. Sie symbolisieren Anfang und Ende. Das Christusfenster  trägt außerdem die Inschrift „AD 1896 Ehre sei Gott in der Höhe und den Menschen ein Wohlgefallen“ .Die Fenster sind von außen durch Gitter vor Steinschlag gesichert. In der Mitte des Altarraumes hängt ein neunarmiger mit 18 Kerzen besetzter Kronleuchter, der vor allem an Festtagen heruntergelassen und angezündet wird. Die Taufe ist aus Holz gefertigt. Ander Nordseite des Altarraumes befand sich bis vor drei Jahren eine Sakristei, die 1927 aus dem Umbau der Familiengruft der Patronatsherren entstand. Diese Sakristei musste entfernt werden, weil sie schon zu baufällig war.

Die Kirche hat nach der Wende einige Baumaßnahmen zu ihrer Erhaltung erfahren. So wurde der Turm mit Hilfe der Partnergemeinde Werther/Westfalen saniert. Das Innere der Kirche litt durch einen Sturmschaden am Dach, so dass einige Putzschäden die Kirche verunzieren. Das Dach wurde im Jahr 2004 neu gedeckt. Eine lnnensanierung mit Trockenlegung der Mauern & Beseitigung der Putzschäden wäre dringend angebracht. Leider fehlt hierfür das Geld.

Mit der Beschreibung der Kirche in Großwerther haben Sie nun alle sieben Kirchen des Pfarrbereiches kennengelernt. Alle haben eine wechsel- volle Geschichte mit den verschiedensten Umbauten und Veränderungen hinter sich. Jede Kirche ist in ihrer ganz eigenen Art wertvoll. Und in jeder Kirche, egal wie einfach sie auf den ersten Blick erscheinen mag, gibt es mindestens ein Detail, welches einmalig ist. Dabei ist noch gar nicht an die Erinnerungen und die Geschichten gedacht, die jeder, der zur Gemeinde gehört, mit seiner Kirche verbindet. So wird die Kirche, in der man getauft oder konfirmiert wurde, zu etwas besonderem, egal wie kunstvoll oder schlicht sie ausgestaltet ist. Deshalb ist die Heimatkirche für die meisten in gewisser Weise die schönste oder wertvollste.  Noch etwas anderes können wir aus der Betrachtung unserer Kirchen erkennen: Wir als Gemeinden haben mit diesen Kirchen einen Schatz von unseren Vorfahren vererbt bekommen, den es zu bewahren und zu erhalten gilt. Über unseren Pfarrbereich hinaus gibt es allein in unserem Kirchenkreis noch fast 100 Kirchen zu besichtigen und zu entdecken. Unsere Landeskirche, die Kirchenprovinz Sachsen, ist übrigens die Landeskirche mit den meisten Kirchengebäuden in Deutschland. Ein Schatz, doch manchmal wird daraus auch eine Last.

C. Apitzsch-Pokoj

Quelle: Gemeindeblättchen der ev. Gemeinden Günzerode, Hochstedt, Klein- und Großwerther, Kleinwechsungen, Hesserode und Hörningen

Nr.50  9.Jahrgang Mai/Juni 2006

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Hesserode, den 17.Juli 2017

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